Pontifex. Brückenbauer

15.12.2021

„Pontifex“ lautet ein päpstlicher Titel: Brückenbauer. Ein Titel, der das Wirken von Papst Johannes Paul II. kaum besser beschreiben könnte. In der gut 26 Jahren seines Pontifikates hat Johannes Paul II. immer wieder Brücken gebaut, zwischen Konfessionen und Religionen, zwischen Völkern und Kulturen, zwischen Alten und Jungen. Er war ein Papst des unermüdlichen Dialogs“.

Kardinal Karl Lehmann (Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz)



Während seines Pontifikats unternahm Johannes Paul II zahlreiche apostolische Reisen mit dem Ziel, „den Glauben seiner Brüder zu stärken" und Brücken der Verständigung zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens, Religionen, Weltanschauungen sowie Kulturen zu bauen. Seine Lehre hat nichts an ihrer Bedeutung und Aktualität verloren.

Deshalb möchten wir anlässlich des hundertsten Geburtstages von Johannes Paul II. an alle drei päpstlichen Besuche in Deutschland erinnern. Der Besuch von Johannes Paul II. Im Jahr 1980 war die erste Pilgerreise des Papstes, die "rein pastoral und religiös" war.

Die zweite Pilgerreise von Johannes Paul II. war eine Fortsetzung des Besuchs von 1980 und wurde zu einem religiösen Feiertag. Der Papst besuchte 7 Diözesen. Zwei Seligsprechungen fanden in Köln und München statt, von Edith Stein und Pater Rupert Mayer. Der dritte Pastoralbesuch von Johannes Paul II. im Juni 1996 war in erster Linie ein Besuch in einem vereinten Deutschland. Ihr Höhepunkt war der Durchgang des Papstes aus Polen mit dem deutschen Bundeskanzler durch das Brandenburger Tor.



Aus dem Anlass des 30-sten Jahrestages der ersten von päpstlichen drei Reisen nach Deutschland (1980, 1987 und 1996) organisierte der Delegat der Deutschen Bischofskonferenz für die polnischsprachige Seelsorge in Deutschland, Stanisław Budyń eine Ausstellung unter dem Titel: „Pontifex - Brückenbauer - Budowniczy pomostów", was in vielen Städten Deutschlands zu sehen war.

Die deutsch- und polnischsprachige Ausstellung besteht aus über 100 Tafeln mit Zitaten der päpstlichen Predigten und Reden während seiner Besuche in Deutschland. Die Zitate - Leitgedanken und Reflexionen - werden durch Fotos vervollständigt. Das Bildmaterial stammt aus L'Osservatore Romano, dem Dokumentationszentrum des Pontifikats von Johannes Paul II in Rom, dem privaten Archiv Arturo Mari sowie aus deutschen Quellen. Die Ausstellung wurde im Rahmen eines Pontifikalamtes in der Ignaz Kirche in Mainz von Karl Kardinal Lehmann eröffnet. In seiner Predigt bezeichnete der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz den polnischen Papst Johannes Paul II als „einen unerbittlichen Kämpfer um die Rechte des Menschen und um die Demokratie in den Ländern des Ostblocks".



Die Ausstellung wird von dem Buch: „Pontifex- Brückenbauer-Budowniczy pomostów" begleitet. Kardinal Karl Lehmann betonte in seiner Rede den „pontifikalen" Charakter des Kaplandienstes von Johannes Paul II sowie seine Verdienste in der Sache der deutsch-polnischen Verständigung. Auch der frühere Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Helmut Kohl, betonte den politischen Charakter des Pontifikats des polnischen Papstes, insbesondere seinen Beitrag zum Sturz kommunistischer Regime in Europa und den Prozess der Vereinigung Europas und Deutschlands.

„Am Abend des 23. Juni 1996 gingen der Papst und ich zusammen durch das Brandenburger Tor. Bei dieser Gelegenheit fasste er mich bei der Hand und sagte: „Herr Bundeskanzler, das ist ein großer Augenblick in meinem Leben. Ich stehe mit Ihnen, dem deutschen Bundeskanzler, am Brandenburger Tor, und das Tor ist offen. Die Mauer ist gefallen, Berlin und Deutschland sind nicht mehr geteilt. Und Polen ist frei“, erinnerte sich der Kanzler.

Am 16. November 1980 sprach der Heilige Vater die polnische Gemeinde in Mainz mit folgenden Worten an: "Hier hinterlässt jeder von euch eine einzigartige Spur seiner Existenz ... also muss er schützen, ablesen und entwickeln, was in ihm ist, was in seinem Herzen geschrieben steht; er muss sich an die Bedeutung erinnern, an das Erbe, aus dem er wächst, das ihn geprägt hat und ein wesentlicher Bestandteil seiner Psyche, seiner Moral ist ... Es basiert genau auf der Tradition, einer Kultur, die wie die polnische Kultur von religiösen Werten durchdrungen ist und "eine selbstsüchtige Zivilisation und selbstsüchtige Technologie der Arbeit unmöglich macht, den Menschen auf die Rolle eines Produktionswerkzeugs oder eines Verbrauchswerkzeug zu reduzieren". Der Wert eines Menschen hängt letztendlich davon ab, wer er ist und nicht davon, wie viel er hat. Und wenn ein Mann seine Würde, seinen Glauben und sein nationales Bewusstsein verliert, nur um mehr zu haben, dann muss eine solche Haltung letztendlich zu Selbstverachtung führen. Andererseits wird ein Mensch, der sich seiner Identität bewusst ist, die sich aus dem Glauben, der christlichen Kultur, dem Erbe von Vätern und Großvätern ergibt, seine Würde bewahren, von anderen respektiert werden und ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft sein, in der er leben muss.


Alexander Zając




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